Dengue

Aus Klimawandel
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Verbreitung von Dengue 2006

1 Verbreitung

Nach Malaria gehört Dengue weltweit zur wichtigsten durch Stechmücken übertragenen Krankheit. Ihre Verbreitung hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. 2,5 Millionen Menschen leben in Dengue-Risikogebieten. Jährlich wird mit ca. 50 Millionen Krankheitsfällen gerechnet. Verbreitet ist Dengue in Lateinamerika, im östlichen Mittelmeerraum, in Südost-Asien und im Westpazifik. Besonders betroffen sind die beiden letzten Regionen. Teilweise kam es zu explosionsartigen Ausbrüchen der Krankheit, so 2007 in Venezuela mit 80 000 Fällen.[1]

2 Aedes-Mücken als Überträger

Die Mücke Aedes Aegypti beim Blutmahl

Dengue ist eine fieberähnlich verlaufende Erkrankung, gegen die es bislang keine erfolgreiche Therapie gibt. Die besorgniserregende Zunahme in den letzten Jahrzehnten hängt stark mit dem ungeregelten Wachstum tropischer Großstädte zusammen. Offene Wasservorratsbehälter, leere Dosen und vor allem herumliegende Altreifen bieten den Vektoren ideale Brutmöglichkeiten. Der nahezu globale Altreifenhandel trägt wesentlich zur Verbreitung der Krankheitsüberträger bei.

Überträger der Krankheit sind Aedes-Mücken, von denen weltweit über 1000 Arten vorkommen, 24 davon auch in Deutschland. Aedes-Mücken zeichnen sich dadurch aus, dass sie tagaktiv sind und im Ei-Stadium auch Trockenperioden überleben können. Für die Übertragung von Dengue-Fieber ist zum einen die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die auch Gelbfieber überträgt, von Bedeutung. Diese ursprünglich aus Afrika stammende Aedes-Art kommt heute in allen Tropengebieten vor. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Mücke auch im Mittelmeerraum heimisch, ist dort aber möglicherweise durch die Anwendung von DDT verschwunden.[2]

Auch die Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) ist ein wichtiger Überträger von Dengue. Sie ist in der Lage, sich in kurzer Zeit in einer neuen Umgebung zu etablieren. In den 1980er und 1990er Jahren breitete sie sich erstaunlich schnell von ihrer ursprünglichen Heimat in Südostasien auf vielen Kontinenten aus. 1983 erreichte Aedes albopictus Nordamerika, 1986 Südamerika und 1990 Afrika. Durch den Import von gebrauchten Reifen aus den USA erreichte sie auch Europa und tauchte 1990 in Genua auf, von wo aus sie sich über zahlreiche Regionen Italiens und in angrenzende Mittelmeerländer ausbreitete.[3] Nachdem die Asiatische Tigermücke zum ersten Mal 2007 auch in Deutschland, auf einer Autobahnraststätte in Baden-Württemberg, entdeckt wurde,[3] wiesen gezielte Untersuchungen in den Jahren 2012 und 2013 sie auch an zahlreichen anderen Standorten in Deutschland nach, vor allem an den Autobahnen A5 in Baden-Württemberg und A93 in Bayern. Die Eier der Mücke können aus entfernten Gebieten in Containern, alten Autoreifen oder Pflanzen über Seehäfen, Flughäfen, LKWs und Züge transportiert werden. 2013 gab es sogar verstärkt Hinweise auf eine lokale Reproduktion.[4] Im Winter 2015/16 wurde zum ersten Mal das Überwintern von Eiern der Mücke beobachtet, deren Larven dann Anfang April in einer Regentonne in Heidelberg schlüpften. Damit war zum ersten Mal die erfolgreiche Überwinterung der Asiatischen Tigermücke in Deutschland nachgewiesen.[3]

3 Bedeutung des Klimas

Sowohl die Stechhäufigkeit wie der Reproduktionszyklus der Aedes-Mücken erhöhen sich deutlich mit der Temperatur.[5] Im Vergleich zu einer Umgebungstemperatur von 24 °C verdoppelt sich die Zahl der Blutmahlzeiten und die Entwicklung der Larve reduziert sich von vier auf weniger als einen Tag bei 32 °C und darüber. So kann sich die Mückenpopulation relativ schnell mit steigender Temperatur erhöhen. Heftige Regenfälle können die Larven in kurzer Zeit zerstören, schaffen aber längerfristig neue Brutplätze.

Das Dengue-Virus erfordert Mindesttemperaturen bei um die 20 °C und besitzt bei über 30 °C das Temperaturoptimum, bei dem es zu starker Vermehrung des Virus im Vektor kommt. Die sogenannte intrinsische Inkubationsperiode, d.h. die Zeit, in der ein Virus nach der Aufnahme durch einen Vektor wieder abgegeben werden kann, reduziert sich z.B. in dem wichtigsten Vektor Aedes aegypti deutlich mit zunehmender Temperatur: von 22 Tagen bei 18 °C auf 7 Tage bei 35 °C.[6]

Höhere Temperaturen und je nach örtlicher Situation auch stärkere Niederschläge, wie sie für viele tropische Regionen durch den globalen Klimawandel erwartet werden, führen wahrscheinlich zu einem höheren Dengue-Risiko. Eine Studie über den Zusammenhang zwischen Temperatur und Niederschlag auf der einen und den Dengue-Fällen auf der anderen Seite in Singapore über die Jahre 2000-2007 stützt diese Einschätzung.[5] Die Zahl der Infektionen hat sich nach dieser Studie signifikant in einem Zeitabstand von 5-20 Wochen nach dem Auftreten ungewöhnlich hoher Temperaturen und stärkerer Niederschläge erhöht.

4 Einzelnachweise

  1. WHO (2009): Dengue and dengue haemorrhagic fever
  2. Krüger, A. (2008): Aedes-Arten als Überträger von Arboviren, in: Lozán, J.L. (Hg.): Warnsignal Klima. Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg, Freiburg, Bonn, List/Sylt, 178-183
  3. 3,0 3,1 3,2 Pluskota, B., A. Jöst, X. Augsten, L. Stelzner, I. Ferstl and N. Becker (2016): Successful overwintering of Aedes albopictus in Germany, Parasitology Research 115: 3245. doi:10.1007/s00436-016-5078-2
  4. Tannich, E. (2015): Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitung krankheitsübertragender Tiere: Importwege und Etablierung invasiver Mücken in Deutschland, Umwelt&Gesundheit 09/2015
  5. 5,0 5,1 Yien Ling Hii et al. (2009): Climate variability and increase in intensity and magnitude of dengue incidence in Singpore, Global Health Action, DOI: 10.3402/gha.v2i0.2036
  6. Pfeffer, M., und G. Dobler (2008): Biologie, Ökologie und medizinische Bedeutung von Stechmücken in Deutschland, in: Lozán, J.L. (Hg.): Warnsignal Klima. Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg, Freiburg, Bonn, List/Sylt, 190-197


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6 Schülerarbeiten zum Thema

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