Hochwasser und Gesundheitsrisiken

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Überflutungen gehören weltweit zu den gefährlichsten Naturkatastrophen. Nach Angaben der Münchener Rückversicherung waren im Jahre 2006 von den 20 000 Todesfällen durch Naturkatastrophen weltweit 34 % Opfer von Hochwassern.[1] Betroffen davon sind vor allem Länder der Dritten Welt, aber auch in den USA, Europa und anderen Industrieländern kommt es durch Hochwasserereignisse zu Todesfällen und Erkrankungen. So waren in China 2003, als bei Überschwemmungen in der einen oder anderen Weise 130 Millionen Menschen betroffen waren, 3000 Tote zu beklagen. Und in Mosambik forderten Überschwemmungen 2000/01 1800 Opfer.[2] Im Sommer 2010 hat das Hochwasser in Pakistan, das schätzungsweise 20 % des Landes unter Wasser setzte, fast 2000 Tote verursacht.[3] Und in Indien sind jedes Jahr ungefähr 30 Mio. Menschen durch Hochwasser betroffen, bei 1500 Todesopfern jährlich, was etwa einem Fünftel der weltweiten Todesopfer durch Hochwasser entspricht.[4] In Mitteleuropa hat das Oder-Hochwasser 1997 über 100 Tote in Polen und Tschechien zur Folge gehabt und das Elbe-Hochwasser 2002 in Sachsen 21 und in der Tschechischen Republik 15 Todesopfer gefordert. Die Todesfälle sind vor allem durch Ertrinken bedingt, aber auch tödliche Verletzungen durch im Wasser treibende Gegenstände sind eine wichtige Ursache. Nach Untersuchungen in den USA spielt dabei das Ertrinken im Kraftfahrzeug eine erstaunlich große Rolle. So kamen im Zeitraum 1998-2003 von 449 Toten insgesamt mehr als die Hälfte (56 %) im PKW oder anderen Kraftfahrzeugen um.[1]

Abb. 1: Zerstörungen durch Überschwemmungen in der Provinz Sindh, Pakistan, im Oktober 2010

Eine weitere Gefahr für die menschliche Gesundheit geht bei Hochwassern von Infektionskrankheiten, insbesondere von Durchfallerkrankungen (Diarrhoe), aus. Das sich über das Land ausbreitende Wasser kann schnell fäkale Keime aufnehmen und auf Menschen in Überschwemmungsgebieten übertragen. Das trifft besonders für Länder mit einem wenig entwickelten Gesundheitssystem und geringer Basishygiene zu wie etwa Indien, Bangladesch oder Brasilien.[1] So nahm in den Monaten nach den Überschwemmungen 2001 in Mosambik die Zahl der Cholerafälle um mehr als 8000 zu, von denen über 400 starben. In reichen Ländern ist die Gefahr deutlich geringer. Als Ausnahme können allerdings die mit den Hurrikanen Katrina und Rita einhergehenden Hochwasser im Jahre 2005 in den USA gelten, wo die bakterielle Verunreinigung von Trinkwasser über 1000 Durchfallerkrankungen mit einigen Toten zur Folge hatte. Betroffen waren allerdings auch hier vor allem die niedrigen Einkommensgruppen.[1][5] Auch chemische Kontaminationen können für Menschen in Hochwassergebieten gefährlich werden. Durch die Überschwemmung von z.B. Tankstellen oder Mülldeponien, die Beschädigung von Ölleitungen kann das Trinkwasser verseucht oder die Raumluft belastet werden. Weitere gesundheitliche Risiken entstehen auch durch das Eindringen von Wasser in die Bausubstanz, wo sich Schimmelpilze bilden und Allergien, Heuschnupfen oder Asthma bei den Bewohnern auslösen können.[1]

Eine weitere Folge sind psychische Belastungen der von Hochwasserereignissen betroffenen Bevölkerung. Eigene Verletzungen, der Verlust von Angehörigen oder der eigenen Behausung können zu emotionalen Traumata führen. Die Folge können langfristige Depressionen und Angstgefühle sein.

1 Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Eis, D., D. Helm, D. Laußmann, K. Stark (Robert Koch-Institut, 2011): Klimawandel und Gesundheit - Ein Sachstandsbericht
  2. McMichael, A. and A. Githeko (2001): Human Health, in: IPCC WG II, 9.5.1.
  3. Webster, P.J., et al. (2011): Were the 2010 Pakistan floods predictable?, Geophysical Research Letters 38, doi:10.1029/2010GL046346
  4. Tripathi, P. (2015): Flood Disaster in India: An Analysis of trend and Preparedness, Interdisciplinary Journal of Contemporary Research, Vol. 2, No. 4, 91-98
  5. IPCC (2007): Climate Change 2007, Working Group II: Impacts, Adaptation and Vulnerability, 8.2.2

2 Weblinks


3 Lizenzhinweis

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