Klimaänderungen und Landwirtschaft Europa

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Änderung der Ernteerträge in Europa bis 2100 nach dem Szenario A2 unter Berücksichtigung von Klimaänderungen und Zunahme des CO2-Gehalts.

1 Allgemeiner Überblick

Nach dem IPCC-Bericht von 2007[1] ist damit zu rechnen, dass der Klimawandel und eine höhere CO2-Konzentration zu einer mäßigen Zunahme der Ernteerträge bis 2050 in Europa führen werden. Außerdem kann man davon ausgehen, dass die technologische Entwicklung negative klimatische Effekte zu einem großen Teil ausgleichen wird. Demzufolge wird auch mit einer Erntezunahme bei Weizen bis 2050 nach dem B2-Szenario um 37 % und nach dem A1-Szenario um 101 % gerechnet. Höhere Erträge und eine stabile oder sogar zurückgehende Nachfrage führen wahrscheinlich zu einer Verringerung der Ackerfläche.

Allein durch den Klimawandel kommt es vor allem in Nordeuropa zu Erntesteigerungen. So werden die Weizenerträge bis 2080 um 10-30 % steigen.[1] Die größten Ernterückgänge werden im Mittelmeerraum, auf dem SW-Balkan und im Südteil des europäischen Russland erwartet. In Südeuropa, wo künftig größere Trockenheit im Sommer, aber auch im Winter ein Problem darstellen wird, wird allgemein ein höherer Wasserbedarf der Landwirtschaft zu schaffen machen. Einige der heutigen sehr produktiven Gebiete wie das westliche Frankreich und Teile Südost-Europas müssen mit einem höheren Ernterisiko rechnen, weil sie im Sommer heißer und trockener werden.[2]

Einige Anbaufrüchte, die gegenwärtig hauptsächlich im Süden Europas gedeihen, wie Mais Sonnenblumen und Sojabohnen werden künftig auch in höheren Breiten rentabel.[1] Für Mais ist z.B. eine Ausweitung der Anbaugebiete um 30-50 % bis zum Ende des Jahrhunderts prognostiziert worden, so z.B. in Irland, Schottland, Schweden und Finnland. In Südeuropa ist dagegen mit einem Rückgang vieler dieser Anbaufrüchte zu rechnen. Ein wesentlicher Grund ist die erwartete Zunahme extremer Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Starkniederschläge. Aber auch in nördlicheren Regionen können Extremereignisse zu Verlusten in der Landwirtschaft führen, und zwar auch in der Viehzucht. So kann die Sterblichkeit in der Massentierhaltung bei Schweinen und Hähnchen durch Hitzewellen in Großbritannien erheblich zunehmen. Und Dürren könnten entlang der Atlantikküste, z.B. auch in Irland, die Schafzucht beeinträchtigen. Durch höhere Temperaturen können außerdem Krankheiten, die bisher eher in heißen Zonen (z.B. Afrikas) zu Hause waren, wie z.B. die Blauzungenkrankheit, auch in Europa Einzug halten.

Prozentuale Veränderung der Winterweizenerente 2030 im Vergleich zu 2000 nach Modellberechnungen

Als Beispiel für mögliche Szenarien der Zukunft werden vielfach die Folgen der Hitzewelle 2003 und 2010 in Russland für die europäische Landwirtschaft herangezogen.[3][4] Die Temperaturen lagen im Sommer 2003 mancherorts um bis zu 6 °C über dem langjährigen Mittel, und die Niederschlagsdefizite betrugen bis zu 300 mm. Die Hitzewelle 2003 hat in den betroffenen Regionen insgesamt zu Verlusten bei der Getreideernte von 20 % geführt, in Russland sogar zu 25-30 %. Vor allem in Italien und Frankreich kam es zu erheblichen Ernteeinbußen. So ging die Maisernte in der italienischen Poebene um 36 % und in Frankreich um 30 % zurück. Etwas weniger betroffen war in Frankreich mit 21 % z.B. der Winterweizen, der bei Beginn der Hitzewelle fast ausgereift war. Die Weinproduktion war in Gesamteuropa die niedrigste seit 10 Jahren, mit einer Abnahme der Traubenernte durch zunehmenden Wassermangel im nordöstlichen Spanien. Insgesamt betrugen die ökonomischen Verluste im Agrarsektor durch die Hitzewelle ca. 13 Mia. Euro.

Szenarien zeigen bei einer mäßigen Temperaturzunahme von 2,5 °C (Szenario B2) für ganz Europa im Mittel nur geringe Änderungen der Ernten von +3 %. Bei einer Temperaturzunahme von 5,4 % nach dem hohen Szenario A2 ist dagegen mit einer mittleren Reduzierung der Ernten um 10 % zu rechnen. Regional sind die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft sehr unterschiedlich. Die größten Ernteverluste hätte Südeuropa mit -25 % bei einer Erwärmung um 5,4 °C zu verzeichnen, mit zunehmendem Risiko von Missernten beim Regenfeldbau. In Mitteleuropa würden wärmere und trockenere Bedingungen um 2050 nur geringe Abnahmen der Ernten bedeuten. In Nordeuropa kann durch die Ausweitung von Anbaugebieten mit einer Zunahme der Ernten gerechnet werden. Eine besondere Gefahr sind hier allerdings Insekten und Krankheitserreger, die durch milde Winter eine größere Überlebenschance haben werden.[4]

2 Einzelne Regionen

2.1 Skandinavien

Im gegenwärtigen Klima ist Skandinavien eine benachteiligte Agrarregion durch kurze Wachstumszeit, eine hohes Risiko von Nachtfrösten im Frühsommer und in machen Gebieten einen hohen Anteil von trockenen Tagen. Auch der Klimawandel wird nicht zu deutlichen Ertragssteigerungen führen, vor allem weil die Anzahl der trockenen Tage weiter steigen wird. In Südschweden (südlich der Linie Oslo-Stockholm) werden sich die agrarklimatischen Bedingungen allerdings deutlicher verbessern, so dass auch der Anbau von Futtermais möglich sein wird und der Weinanbau Bedingungen vorfinden wird, wie sie heute in den Gebirgsregionen des Mittelmeerraumes herrschen.[2]

2.2 Nordwesteuropa

Nordwesteuropa (Großbritannien, Niederlande, Dänemark, Nordwestdeutschland) gehört heute zu den produktivsten Agrarzonen Europas. Der Grund sind die relativ langen Sommertage zusammen mit einer ausreichenden Menge an Niederschlägen während der Wachstumszeit. Durch die moderaten Sommertemperaturen ist die Kornfüllungsphase hier relativ lang. Die hohe Produktivität ist besonders evident im Obstanbaugebiet Altes Land an der Unterelbe. Der Klimawandel könnte durch mehr trockene Tage im Sommer die Erträge von Getreide reduzieren, was jedoch durch eine frühere Aussaat im Frühjahr ausgeglichen werden könnte. Andererseits kann mit einer Ausdehnung von Anbaufrüchten aus wärmeren Regionen wie Mais, Sonnenblumen, Sojabohnen und Wein gerechnet werden.[2]

3 Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IPCC (2007): Climate Change 2007, Working Group II: "Impacts, Adaptation and Vulnerability", 12.4.7.1.
  2. 2,0 2,1 2,2 M. Trnka et al. (2011): Agroclimatic conditions in Europe under climate change, Global Change Biology 17, 2298–2318
  3. IPCC (2007): Climate Change 2007, Working Group II: "Impacts, Adaptation and Vulnerability", Box 5.1.
  4. 4,0 4,1 IPCC (2014): Climate Change 2014, Working Group II: Impacts, Adaptation and Vulnerability, 23.4


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