Wintertourismus: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Folgen für den Tourismus ===
=== Folgen für den Tourismus ===
===Schneesicherheit===
====Schneesicherheit====
Der kritischste Faktor für den Wintertourismus ist die Schneesicherheit. Ein Gebiet gilt in den Alpen als schneesicher, wenn an wenigstens 100 Tagen im Jahr eine Schneedecke von wenigstens 30 cm liegt, und zwar möglichst in der Zeit zwischen dem 16. Dezember bis zum 15. April.<ref>Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2007): [http://www.bmu.de/klimaschutz/downloads/doc/40377.php Klimawandel in den Alpen. Fakten –  Folgen – Anpassung], S. 67; Vgl. auch Annette Klein (2007): Klimawandel und Tourismus in der Europäischen Union. Folgen für den Wintersport- und Sommertourismus, Saarbrücken, S. 48</ref>  Dabei müssen in 10 Jahren mindestens 7-8 Jahre schneesicher sein. Nur dann ist die Auslastung der Skianlagen groß genug, um die erheblichen Aufwendungen für den Wintertourismus  rentabel zu machen. Gegenwärtig liegt die untere Grenze der Schneesicherheit in den Alpen bei ca. 1200 m Höhe.
Der kritischste Faktor für den Wintertourismus ist die Schneesicherheit. Ein Gebiet gilt in den Alpen als schneesicher, wenn an wenigstens 100 Tagen im Jahr eine Schneedecke von wenigstens 30 cm liegt, und zwar möglichst in der Zeit zwischen dem 16. Dezember bis zum 15. April.<ref>Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2007): [http://www.bmu.de/klimaschutz/downloads/doc/40377.php Klimawandel in den Alpen. Fakten –  Folgen – Anpassung], S. 67; Vgl. auch Annette Klein (2007): Klimawandel und Tourismus in der Europäischen Union. Folgen für den Wintersport- und Sommertourismus, Saarbrücken, S. 48</ref>  Dabei müssen in 10 Jahren mindestens 7-8 Jahre schneesicher sein. Nur dann ist die Auslastung der Skianlagen groß genug, um die erheblichen Aufwendungen für den Wintertourismus  rentabel zu machen. Gegenwärtig liegt die untere Grenze der Schneesicherheit in den Alpen bei ca. 1200 m Höhe.



Version vom 30. September 2008, 11:09 Uhr

Im Mittelpunkt des Wintertourismus steht das Skifahren, das auf sichere Schneeverhältnisse angewiesen ist. Aber auch andere vom Klima abhängige Faktoren spielen eine Rolle. So tragen die Alpengletscher erheblich zur Attraktivität der Landschaft bei, und ihr Abschmelzen würde einigen Wintersportgebieten viel von ihrem Reiz nehmen. Negativ könnten sich witterungsbedingte Katastrophen auf den Wintertourismus auswirken wie Lawinen oder Bergrutsche. Höhere Schneefallmengen in größeren Höhen könnten das eine und das Auftauen von Permafrost das andere bewirken.

Alpen

Veränderung der mittleren Jahrestemperatur in der Schweiz im Vergleich zur Nordhalbkugel 1900 bis 2004

Klimaänderungen

Der Rückzug der Gletscher und eine Abnahme der Schneedecke in räumlicher und zeitlicher Ausdehnung sind die sichtbarsten Zeichen des Klimawandels in den Alpen. Ursache dafür ist eine Erwärmung, die deutlich über dem globalen Durchschnitt liegt. So stieg die mittlere Temperatur in der Schweiz im 20. Jahrhundert um 1,35 °C an und damit doppelt so stark wie im globalen Mittel. Von 1975 bis 2004 beschleunigte sich die Erwärmung auf 0,57 °C pro Jahrzehnt – gegenüber 1,09 °C global und 0,25 °C auf der Nordhalbkugel.[1] Grund für die stärkere Klimaänderung in den Alpen sind Rückkopplungseffekte durch den Rückgang der Schnee- und Eisflächen. Dadurch werden weniger Sonnenstrahlen reflektiert und mehr in Wärmestrahlen umgewandelt. Hinzu kommt die Lage der Alpen auf relativ hoher nördlicher Breite und in gewisser Küstenferne. Für diese Gebiete wird von den Klimamodellen im allgemeinen eine höhere Erwärmung prognostiziert als für niedere Breiten und ozeanisch bestimmte Gebiete.

Weniger deutlich sind die Trends bei den Niederschlägen, die zwar starke jährliche Schwankungen, aber keine Zu- oder Abnahme im 20. Jahrhundert zeigen. Allerdings haben sich jahreszeitliche und regionale Änderungen ergeben. Besonders in den nördlichen und westlichen Landesteilen der Schweizer Alpen haben die Winterniederschläge zugenommen. In den südlichen und östlichen Alpen haben die herbstlichen Niederschläge abgenommen. Im Herbst und Winter ist auch ein Trend zu intensiveren Niederschlägen festzustellen. Vor allem aber hat sich die Form der Niederschläge verändert. In weniger hohen Lagen fallen immer mehr Niederschläge als Regen statt als Schnee. Als Folge haben die zeitliche Dauer und die Menge der Schneedecke deutlich abgenommen.

Mögliche Änderung der Anzahl der Schneetage pro Jahre nach dem A1B-Szenario für die Regionen Mittenwald (923 ü. NN) und Garmisch-Partenkirchen (700 m ü. NN)

Im 21. Jahrhundert wird mit einer weiteren erheblichen Erwärmung des Alpenraums gerechnet.[2] Nach Modellberechnungen mit dem regionalen Klimamodell REMO kann es zu einer mittleren Erwärmung zwischen 3 °C und 4,5 °C kommen. Die Menge der Jahresniederschläge ändert sich wenig, die jahreszeitlichen Unterschiede können sich allerdings weiter verstärken. Im Sommer können die Niederschläge um 30% abnehmen, im Winter um 5-10% zunehmen. Aufgrund der steigenden Temperaturen ergeben sich aber vor allem deutliche Abnahmen bei der Schneefallmenge und der Zahl der Schneetage. Die Nullgradgrenze kann in den Wintermonaten bis zum Ende des Jahrhunderts um ca. 650 m steigen. Das bedeutet für Regionen, die zwischen 1000 und 1500 m liegen, eine Abnahme der Schneefallmenge um bis zu 60%. Selbst über 2000 m kann die Schneefallmenge immer noch um 20-30% abnehmen. Der deutsche Wintersportort Garmisch-Partenkirchen, der 700 m über dem Meeresspiegel liegt, muss mit einer Abnahme der Schneetage (> 3 cm Schnee) im Jahr von heute 70-80 auf unter 20 rechnen.

Folgen für den Tourismus

Schneesicherheit

Der kritischste Faktor für den Wintertourismus ist die Schneesicherheit. Ein Gebiet gilt in den Alpen als schneesicher, wenn an wenigstens 100 Tagen im Jahr eine Schneedecke von wenigstens 30 cm liegt, und zwar möglichst in der Zeit zwischen dem 16. Dezember bis zum 15. April.[3] Dabei müssen in 10 Jahren mindestens 7-8 Jahre schneesicher sein. Nur dann ist die Auslastung der Skianlagen groß genug, um die erheblichen Aufwendungen für den Wintertourismus rentabel zu machen. Gegenwärtig liegt die untere Grenze der Schneesicherheit in den Alpen bei ca. 1200 m Höhe.

Bei einer Erwärmung um durchschnittlich 3 °C wird die Dauer der Schneedecke wahrscheinlich um einen Monat verkürzt. Die Schneesicherheit wird sich infolgedessen in den Zentralalpen um 300 m, in den Voralpen um 500 m nach oben verschieben.[4] Die Folgen sind für die einzelnen Wintersportgebiete unterschiedlich, mit Ausnahme der Gebiete über 2500 m jedoch erheblich. In der Schweiz werden die Orte mit Schneesicherheit von heute 84% auf 44% zurückgehen. In Italien gibt es heute schon erhebliche Probleme mit ausreichendem Schnee für die Wintersaison, da hier die Hälfte aller Wintersportorte unter 1300 m liegt. Auch Österreich wird stark vom Klimawandel betroffen sein, da hier die meisten Wintersportorte unterhalb von 2500 m liegen, manche bekannte Zentren wie Zell am See oder Kitzbühl sogar nur zwischen 600 und 900 m. Gebiete oberhalb von 2500 m müssen dagegen mit vermehrtem Schneefall rechnen, was die Lawinengefahr erhöht.

Im gesamten Alpenraum gelten heute 609 von 666 Skigebieten bzw. 90% als schneesicher. Bei einer Erwärmung um 1 °C sinkt die Zahl auf 500, bei +2 °C auf 404 und bei +4 °C auf 202, d.h. auf weniger als 30 Prozent.[5] Am meisten gefährdet sind die deutschen Skigebiete, wo schon eine Erwärmung um 1 °C eine Abnahme der Gebiete mit Schneesicherheit um 60% bewirken würde und es bei einer Erwärmung um 4 °C praktisch keine schneesicheren Gebiete mehr geben wird. Am geringsten wird der Rückgang in der Schweiz sein mit 10% bei +1 °C und 50% bei +4 °C.

Einzelnachweise

  1. M. Rebetez and M. Reinhard (2007): Monthly air temperature trends in Switzerland 1901–2000´and 1975–2004, Theoretical and Applied Climatology
  2. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2007): Klimawandel in den Alpen. Fakten – Folgen – Anpassung, S. 67
  3. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2007): Klimawandel in den Alpen. Fakten – Folgen – Anpassung, S. 67; Vgl. auch Annette Klein (2007): Klimawandel und Tourismus in der Europäischen Union. Folgen für den Wintersport- und Sommertourismus, Saarbrücken, S. 48
  4. Annette Klein (2007): Klimawandel und Tourismus in der Europäischen Union. Folgen für den Wintersport- und Sommertourismus, Saarbrücken, S. 48
  5. OECD: Climate Change in the European Alps: Adapting Winter Tourism and Natural Hazards Management

Siehe auch


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