Wasserprobleme in Zentralasien

Aus Klimawandel
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Verlauf des Syr Darya in Kasachstan mit toten Mäandern und Kanälen; oben links Baumwollfelder

1 Wassernutzung

Im semiariden bis ariden Zentralasien hängen Leben und Wirtschaft stark von den Wasserressourcen ab, die aus den Oberläufen der Flüsse aus dem Tien Shan und dem Pamir stammen. In den Staaten Zentralasiens (Kirgisistan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kasachstan) leben mehr als 63 Millionen Menschen, die sich vor allem in den fruchtbaren Oasen und den Hauptstädten der Staaten konzentrieren. Bis 2100 wird mit einer Verdoppelung der Bevölkerung gerechnet.[1] Das Gebiet gehört zu den wichtigsten Regionen auf der Welt, die wahrscheinlich durch Schnee- und Gletscherschmelze aufgrund des Klimawandels mit Wasserknappheit, sozialen Konflikten und politischer Gewalt rechnen müssen.[2]

Die Wassernutzung der Region ist unterschiedlich. Die energiereichen, aber wasserarmen Länder stromauf (Kirgisistan, Tadschikistan) nutzen das Wasser zur Stromgewinnung, die mehr stromabwärts gelegenen Staaten (Usbekistan, Turkmenistan und Kasachstan) brauchen das Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung im Sommer. Mit 85-97 % werden die Wasserressourcen in Zentralasien insgesamt hauptsächlich von der Landwirtschaft genutzt. Im Jahre 2009 wurden mehr als 8 Millionen ha Land bewässert. Dabei spielt die Speicherung von Wasser in Schneelagen und Gletschern eine entscheidende Rolle. Im trockenen Sommer, wenn das Wasser am meisten gebraucht wird, wird das im Winter akkumulierte Wasser durch Eis- und Schneeschmelze wieder freigesetzt.[1] Rund 22 Millionen Menschen hängen von der bewässerten Landwirtschaft ab, die (mit Ausnahme des ölreichen Kasachstan) zudem noch eine zentrale wirtschaftliche Stellung besitzt. Seit den 1950er Jahren hat sich die Bewässerungswirtschaft außerdem stark intensiviert, mit z.T. gravierenden Umweltfolgen wie etwa der weitgehenden Austrocknung des Aralsees. Die Wassernutzung der Region ist dadurch kompliziert, dass sich die Hauptflüsse Syr Darya und Amu Darya mit ihren Einzugsgebieten seit dem Ende der Sowjetunion über mehrere Staaten erstrecken.[2]

2 Gletscher als Wasserressourcen

Ein großer Teil der Zuflüsse stammt aus dem Tien Shan, einem ca. 2000 km langen Gebirgszug, der wegen seiner vielen Gletscher und deren Bedeutung für die Wasserführung der Flüsse auch als "Wasserschloss Asiens" bekannt ist. Die Gletscher des Tien Shan tragen einen erheblichen Teil zu den Süßwasserressourcen im trockenen Sommer in den Staaten Kirgisistan, Usbekistan, Turkmenistan, Kasachstan und Xinjiang (West-China) bei. Sie sind besonders in den trockenen Sommermonaten, wenn das Wasser für die Bewässerung der Felder am meisten gebraucht wird, von entscheidender Bedeutung. In Kirgistan stammt der Abfluss der Flüsse im Jahresmittel zu 15 % aus Gletscherwasser, wobei in der Schmelzphase die Gletscher eine 1,5 bis 3 Mal so große Menge liefern. In stark vergletscherten Einzugsgebieten der Flussoberläufe kann der Anteil in dieser Zeit bis zu 80 % betragen.[3]

3 Änderung der Abflussmengen

Seit dem Ende der letzten Eiszeit haben sich auch die Gletscher des Tien Shan zurückgezogen, zunehmend seit den 1970er Jahren. Das beeinflusst die Quantität und die saisonale Verteilung des Abflusses in den gletschergespeisten Wassereinzugsgebieten. Auch wenn schmelzende Gletscher in der ersten Phase den Abfluss verstärken, wird das reduzierte Gletschervolumen ihn im Endeffekt verringern. Das ist möglicherweise in Kirgistan bereits sichtbar. Zwar ist hier der jährliche Oberflächenabfluss von 47,1 km3 in 1947-1972 auf 50 km3 in 1973-2000 angestiegen. Im Sommerhalbjahr hat der Abfluss während der Gletscherschmelze jedoch - wahrscheinlich als Folge des Gletscherrückgangs - abgenommen. Das wurde aber kompensiert durch einen höheren Winterabfluss, der dadurch zugenommen hat, dass aufgrund der höheren Temperaturen mehr Niederschlag in Form von Regen statt als Schnee fiel.[3] Gerade die Landwirtschaft braucht das Wasser vielerorts aber in den trockenen Sommermonaten.

4 Projektionen

Der Abfluss in den wichtigsten Tien-Shan-Flüssen wird in naher Zukunft möglicherweise stabil bleiben oder durch die zunehmende Gletscherschmelze bzw. steigenden Niederschläge sogar leicht ansteigen. Er wird bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aber wahrscheinlich geringer sein als heute. Bis 2100 könnte er nach Berechnungen mit den IPCC-Szenarien B1 und A1Fl von heute 50 km3 auf 32-41 km3 sinken. Die Unsicherheiten solcher Berechnungen sind allerdings groß. Die Wasserressourcen werden durch den Rückgang der Gletscher allerdings jahreszeitlich stärker schwanken, da das Gletscherwasser bisher vor allem für den trockenen Sommer einen Ausgleich für die geringeren Niederschläge lieferte. Auch Schwankungen von Jahr zu Jahr werden in der Wasserführung der Flüsse zunehmen, da auch die jährlichen Niederschlagsschwankungen relativ hoch sind.[3]

5 Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Unger-Shayesteh, K. et al. (2013): What do we know about past changes in the water cycle of Central Asian headwaters? A review, Global and Planetary Change 110, 4–25
  2. 2,0 2,1 Siegfried, T., et al. (2012): Will climate change exacerbate water stress in Central Asia?, Climatic Change 112, 881–899, DOI 10.1007/s10584-011-0253-z
  3. 3,0 3,1 3,2 Sorg, A., et al. (2012): Climate change impacts on glaciers and runoff in Tien Shan (Central Asia), Nature Climate Change 2, 725–731, doi:10.1038/nclimate1592

6 Weblinks

7 Lizenzhinweis

Dieser Artikel ist ein Originalartikel des Klima-Wiki und steht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland. Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können in einigen Fällen durch Anklicken dieser Mediendateien abgerufen werden und sind andernfalls über Dieter Kasang zu erfragen. CC-by-sa.png


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